Begleiten heißt heilen - was bedeutet das für mich ?
Während meines ersten Pilgerns nach Santiago de Compostella habe ich nachdrücklich erfahren dürfen, was „Begleitung“ beinhaltet und welche Auswirkungen sie haben kann.
Den „Camino“ durch die Pyrenäen zu gehen, habe ich mir als durchtrainierter Langläufer zugetraut.
Gleich zu Beginn der Überquerung durch die Berge jedoch mußte ich den Unterschied zwischen Langlauf und wandern bzw. pilgern erkennen: es ist anstrengender als gedacht.
Nach gut 1/3 der Strecke zur Herberge auf die spanischen Seite konnte ich nicht mehr weiter.
Mein Mund war trocken, ich war erschöpft, Wasser konnte ich nur in kleinen Schlucken zu mir nehmen.
Ich musste mich neben den Wegrand legen und ausruhen.
Meinen Pilgerfreund entließ ich mit den Worten: „Geh weiter, ich komme irgendwann nach.“
Nach ca. 45 Minuten merkte ich, dass die Kräfte wieder kamen (ein kleines Wunder des hl. Jacobeo), ich schaute mich um und sah meinen Freund etwas Abseits, auf seinen Pilgerstab gestützt, freundlich wartend stehen.
Er ist ein bisschen zur Seite gegangen, hat mich beobachtet und gewartet, bereit, bei weiteren Schwierigkeiten, mir beizustehen. Welch eine Begleitung!! Diese Gewissheit zu bekommen, da ist jemand da, der mich so gehen bzw. liegen lässt, wie ich es möchte, aber jederzeit bereit, unterstützende zur Seite zu stehen. Das hat mir weitere Kraft gegeben.
Die Freude und Dankbarkeit darüber ist groß!

In der Folge war ich vital und wach und konnte den Weg beschwingt und stark gehen.
Das war für mich Heilung. Wie immer auch Heilung definiert wird. Für mich bedeutet es, begleitend da zu sein und in den Phasen zu stützen und mitzugehen, wo diese Stütze und Begleitung notwendend ist.
Auf dem Jacobsweg begegnen sich viele Pilger, alle mit dem selben Ziel: Santiago de Compostella. Die Beweggründe sind verschiedener Natur, ähneln sich aber mit dem Näherkommen zum Ziel immer mehr.
Welch Motivation auch auf den Weg führt, in der Begegnung findet Begleitung statt. Manchmal für einen kurzen Augenblick, manchmal auf längeren Wegstecken…. aber immer Begleitung. Wird Hilfe benötigt, wird sie „einfach so“ angeboten. Ein schönes Gefühl. Zu wissen, ich bin nicht allein unterwegs.
Da geschieht das, was ich Heilung nenne.
Ich bin den „Camino“ noch öfter gegangen, Teilstrecken davon auch hier in der Region.
Letztendlich ist es egal, wo. Manche Regionen, Weg, Pilgerpfade sprechen halt mehr, manche weniger an.
Man geht den, der einen anspricht. Den, der zu einem spricht.
In diesem Sinne: „Guten Weg!“ oder, wie man auf dem „Camino“ in Spanien sagt: „buen camino!“










